5 Fehler auf dem Weg zur Entspannung

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Gerade jetzt ist Entspannung in aller Munde, seit einigen Jahren boomen Yoga, Achtsamkeit und Co. Ich möchte das Thema daher heute mal etwas anders angehen und aufzeigen, wie wir uns im Entspannungswahn manchmal selbst sabotieren.

Ohne Sinn und Verstand

Der erste Fehler, den ich beschreiben möchte, ist vermutlich einer, der den meisten Menschen kaum auffällt. Häufig startet man in einen Entspannungskurs, weil „ich z.B. von der Arbeit zu gestresst bin“. Dabei stellt sich kaum jemand die Frage, was sich eigentlich ändern soll. Häufig nicken alle Teilnehmenden dann scheinbar wissend und es bleibt unklar: was stresst die Person tatsächlich an der Arbeit? Woran merkt sie den Stress? Wie entsteht dieser Stress? Woran würde sie eine Veränderung bemerken? Was ist sie überhaupt bereit zu verändern?

Je klarer ich eine Antwort auf diese Fragen formulieren kann, desto mehr Erfolg wird mein Vorhaben haben. Denn auch wenn Entspannung erstmal etwas Schönes und scheinbar Einfaches ist: Techniken zu erlernen braucht immer Durchhaltevermögen, Engagement und ein klares Ziel um nachhaltig zu wirken.


Alles durchgeplant

Nimmt man „Ent-spannung“ wörtlich, dann bedeutet das, ich gebe Spannung ab, nehme sie weg. Alles, was Druck erzeugt, ist also kontraproduktiv. Und eine Sache ist für uns heute schon so selbstverständlich, dass wir den Druck dahinter kaum noch als außergewöhnlich wahrnehmen: Zeitdruck! Einen Entspannungskurs knapp nach dem letzten Termin zu planen oder zwischen zwei Termine zu quetschen erzeugt aber massiven Druck! Und es ist schwer, Druck loszulassen, wenn ich weiß, dass ich im Anschluss wieder welchen haben werde. Hinzu kommt: tatsächliche Entspannung zeigt uns häufig, wie erschöpft wir wirklich sind. Direkt nach einem Entspannungskurs wieder in die Arbeit zu starten ist also entweder sehr kräftezehrend oder zum Scheitern verurteilt.

Gleiche Übung, gleiches Ergebnis

Mit der Entspannung ist es ein bisschen wie mit dem Gleichgewichtssinn: jeder Tag ist anders und trotzdem lohnt sich das Üben. Häufig ist es am Anfang eine Umgewöhnung: im Kurs lerne ich eine Übung, die super geklappt hat und Zuhause will es einfach nicht funktionieren. Dann klappt es einen Tag lang spitze und dann wieder gar nicht. Hier empfehle ich Geduld und Wohlwollen sich selbst gegenüber. Die Tiefe der Entspannung hängt von verschiedensten Faktoren ab und kann gar nicht jeden Tag gleich sein, wohingegen unsere Fähigkeit zu entspannen sich trotzdem stetig weiterentwickeln kann. Je mehr Sie sich darüber ärgern, dass es heute nicht funktioniert, desto mehr innerer Druck entsteht. Und der, haben wir gelernt, hilft nicht beim Entspannen.


Die Beste im Kurs

Ich habe es oben schon gesagt: Alles, was Druck erzeugt, ist kontraproduktiv für Entspannung. Mit anderen Teilnehmenden eines Kurses in Konkurrenz zu treten, weil man „die/ der Beste“ im Entspannen sein möchte, ist etwas sehr Druck erzeugendes. Nicht umsonst sprechen wir vom Konkurrenz-Kampf oder Konkurrenz-Druck. Sobald ich also innerlich einen Vergleich zu anderen ziehe, entsteht Druck. Und dieser wiederum führt zu Anspannung. Ich habe mich selbst sabotiert und bin zusätzlich auch noch in Gedanken mehr bei den Anderen als bei mir.

Ich mache das jetzt auch

Hier schließt sich der Kreis zum ersten Abschnitt. Habe ich mir vorher keine Gedanken gemacht, was ich mir davon erhoffe, eine bestimmte Entspannungstechnik zu erlernen (z.B. einen Yogakurs zu besuchen), dann kann es passieren, dass ich mich einfach ohne Sinn und Verstand dem Gruppenzwang beuge. Dann fallen häufig Sätze wie „ich mache jetzt auch xy“, als hätte man sich entschieden, doch die neue Handtasche zu kaufen. Entspannung nachhaltig zu erlernen bedeutet aber, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und das passiert dann gerade nicht. Schade, eine vergebene Chance!


Inseln der Ruhe

Statt durch all die oben genannten Dinge nur mehr Druck zu erzeugen als Abhilfe zu schaffen, möchte ich noch einen Hinweis mitgeben: versuchen Sie, in Ihrem Alltag Inseln der Ruhe zu entdecken oder zu schaffen. Kleine kostbare Momente, die Sie ohnehin haben, die einfach etwas mehr genossen werden dürfen: der Kaffee am frühen Morgen, einige Minuten entspannen im Garten/ am Balkon/ auf dem Sofa. Oft sind diese Inseln bereits da, wir wertschätzen sie nur zu selten.

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