Hilfreich Helfen bei Ängsten von Anderen

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Psychische Erkrankungen nehmen immer mehr zu, die Pandemie hat das sogar noch verschärft. Das bedeutet, dass auch Menschen, die selbst nicht betroffen sind, immer mehr Berührungspunkte mit verschiedenen psychischen Erkrankungen haben werden. Die häufigsten Erkrankungen sind Depressionen und Angsterkrankungen. Therapieplätze sind knapp, häufig ist die Wartezeit lang. Ich möchte Ihnen daher eine Art kleinen Leitfaden an die Hand geben, wie Sie Menschen mit Ängsten – auf eine förderliche Art und Weise – unterstützen können und was eher unhilfreich ist.

Was ich tun kann

Beginnen wir zunächst mit der Frage: wie kann ich unterstützen? Es gibt einiges, das Sie ohne große Mühe umsetzen können. Denn, ich sage es immer wieder: der Hauptwirkfaktor eine Therapie oder Beratung ist die Beziehung. Und das ist etwas, das jeder anbieten kann: Beziehung. Selbstverständlich keine therapeutische und auch nicht als Ersatz oder mit irgendeiner Verantwortung für den/die Andere:n. Trotzdem kann ein ehrliches Beziehungsangebot schon helfen, manche schlimme Phase zu lindern.

offene Fragen stellen

Häufig hilft es, um Gefühle zu regulieren (und darum geht es ja, wenn wir davon sprechen, mit Angst umzugehen), diese einfach mal aussprechen zu dürfen. Als Unterstützer:in muss ich dann gar nicht viel mehr tun als mir Zeit zu nehmen und interessiert und offen nachzufragen. Ich lasse mir einfach erklären, wie es der Person geht.

„ich sehe, dein Leid und bin für dich da“

Um dem Einsamkeitsgefühl entgegenzuwirken, das entsteht, wenn jemand von Ängsten überflutet wird, reicht es oft schon zu signalisieren: du bist damit nicht allein. Das bedeutet nicht, Mitleid zu haben und die Person zu bedauern, denn dann fühlt er oder sie sich nur noch schlechter, vielleicht wird die Angst sogar verstärkt. Ich muss auch nicht alles im Detail nachfühlen können. Aber es kann sehr entlastend sein, wenn ich meinem Gegenüber signalisiere: ich sehe, dass du leidest und ich möchte für dich da sein.

einfach nur zuhören

Manchmal braucht es nicht einmal eine Reaktion oder eine besondere Geste. Wenn die betroffene Person das erste Mal die Chance erhält, sich alles, was ihn oder sie belastet von der Seele zu reden, kann schon das manchmal Wunder wirken. Zu wissen, ich werde hier nicht verurteilt, ich bekomme keine ungefragten Ratschläge und ich muss mich nicht erklären, kann sehr entlastend sein.

Verantwortung bei der Person lassen

Damit einher geht auch, dass ich die Verantwortung bei der betroffenen Person lasse. Ich kann niemandem die Verantwortung für sein oder ihr Leben abnehmen und das zu versuchen, hilft auch nicht. Denn es verstärkt den Eindruck der Person, er oder sie käme damit ohnehin nicht allein zurecht. Und manchmal verhindert es auch, dass jemand die Verantwortung für sich selbst übernimmt und sich Hilfe sucht, denn es ist ja immer jemand da, der etwas für mich tut.

Was ich nicht tun sollte

Manchmal ist es schwierig, auszuhalten, dass jemand leidet. Gelegentlich passiert es uns, dass wir dann mit der eigenen Emotion, dem Mit-Leiden so überfordert sind, dass wir versuchen, sie dem:der Anderen auszureden. Das verstärkt häufig den Eindruck der Betroffenen, sie würden sich nur anstellen und damit auch ihr Einsamkeitsgefühl. Denn, wenn ich mich geöffnet habe und Abweisung erfahren habe, dann werde ich das wohl nicht so schnell wieder tun. Es gibt daher einige Dinge, die ich besser nicht tun sollte, wenn jemand sich mir mit Ängsten anvertraut.

„Komm mal runter“/ „Entspann dich“

Das sind zwei Sätze, die einem schnell rausrutschen, denn das ist ja genau das, was man der Person wünscht. Und nebenbei auch sich selbst, denn psychische Erkrankungen können auch fürs Umfeld belastend sein. Aber wenn die Person das könnte, hätte sie die Erkrankung nicht. Und deshalb verstärken diese Sätze nur das Unzulänglichkeitsgefühl und damit wiederum die Erkrankung

„Es gibt nichts, worüber du dir Sorgen machen musst!“

Auch dieser Satz ist äußert unhilfreich. Denn, auch wenn ich von Außen nicht sehen kann, was den/die Andere:n belastet, eine psychische Erkrankung ist IMMER eine Belastung und etwas um das man sich kümmern sollte. Zudem ist die Frage, ob einen etwas belastet eine Frage der individuellen Belastung, also nichts, das ich von Außen beurteilen kann. Denn niemand kann Gedanken lesen. Und dieser Vorwurf nimmt auch niemandem seine/ihre Sorgen.

„Ich habe auch Probleme“

Das mag ein Satz sein, der durchaus ehrlich ist. Und diese eigenen Probleme sollten auch Raum bekommen, gerade in einer Freundschaft oder Liebesbeziehung. Aber jemanden, der sich gerade öffnet mit diesem Satz abzuwürgen hilft keinem. Denn Ihr Gegenüber wird sich unverstanden fühlen, sucht er oder sie doch gerade Unterstützung. Und Sie werden im Gegenzug auch wenig Unterstützung mit Ihren Schwierigkeiten erfahren, haben Sie Ihr Gegenüber doch gerade sehr unsanft von sich gestoßen.

„Wir fahren nicht mit dem Bus, da kriegst du nur wieder Panik“

Zu guter Letzt gibt es noch den Bereich, in dem wir uns scheinbar hilfreich verhalten, tatsächlich die Erkrankung aber noch verstärken. Das gilt immer da, wo wir umhilfreiche oder ungesunde Verhaltensweisen unterstützen. Beispielsweise die Vermeidung bestimmter Orte oder Tätigkeiten, die Angst machen, selbst schon mit einplanen. Gerade bei der Angsterkrankung geht es darum, sich den eigenen Gefühlen und Ängsten zu stellen, sie zuzulassen. Ein Umfeld, dass mich dabei mutig und selbstbewusst unterstützt, gleichzeitig aber verständnisvoll bleibt, wenn etwas noch nicht klappt, ist viel hilfreicher als eines, das mich immer weiter in die Angst treibt indem es mir suggeriert: das machen wir wirklich besser nicht, davor solltest du ja auch Angst haben.