Kleidung: Alltag und Selbstausdruck

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Anfang dieser Woche hat mich der Radiosender RT1 gebeten, einige Fragen zum Thema Kleidung zu beantworten. Mich beschäftigt seitdem vor allem die Frage, wie man etwas ganz Alltägliches wie beispielsweise Kleidung für die eigene psychische Gesundheit nutzen kann.


Ausdruck der eigenen Identität

Jeder hat bestimmte Vorlieben und Kleidung kann ein ganz simpler Ausdruck der eigenen Persönlichkeit oder Identität sein. Denn Kleidung ist etwas, das man jeden Tag hat und braucht UND es ist eine Möglichkeit mich auszuleben. Für manche Menschen ist die Auswahl der Kleidung wichtiger, für andere eher nebensächlich. Aber für alle bleibt es etwas, das selbstverständlich identitätsstiftend ist, eine Möglichkeit sich anderen zeigen.

Kommunikation nach innen und außen

Über die Wahl meiner Kleidung kann ich entscheiden, wie ich gesehen werden will: wie will ich mich in der Freizeit anziehen, wie im Beruf? Ich kann mitbestimmen, wie andere mich erleben. Manchmal drückt man über Kleidung auch unbewusst die eigene Stimmung aus, Kleidung ist ein gutes Medium, seinem Gegenüber tagesaktuell mitzuteilen: was ist jetzt gerade, wie geht es mir.

Gleichzeitig ist es auch ein täglicher Gebrauchsgegenstand: das optische ist nur das eine, es kommen noch andere Faktoren dazu: Kleidung erfüllt eine Funktion. Und nur ich kann entscheiden ob meine Kleidung gemütlich ist, ob mir warm oder kalt ist. Das kann niemand anderes für mich entscheiden. Die Wahl der eigenen Kleidung ist also auch eine Kommunikation nach innen, sie hängt mit dem eigenem Wohlbefinden zusammen.

So habe ich jeden Tag die Chance, was für mich selber zu tun und meine Kleidung auch für mich sorgfältig auszuwählen.

sich treu bleiben

Je öfter man Dinge sieht, desto schöner findet man sie auch und dann will man sie auch manchmal selber haben. Es stellt sich also die Frage: Wie sehr möchte ich mit der Mode gehen? Und wie fällt es leichter, zum eigenen Stil zu stehen?

Es ist doch spannend: als Kind ist einem so etwas wie Mode völlig egal, dann kommt eine Zeit wo Gleichaltrige wichtiger werden und es schwieriger ist zum eigenen Stil zu stehen weil eben das dazugehören ganz wichtig ist. Je mehr man also sich selbst gefunden hat, sich als eigenständige Person entwickelt, desto leichter wird es eben auch zum eigenen Stil zu stehen, wenn man sich nicht mehr so sehr an den anderen orientieren muss, weil man weiß wer man ist.

An dieser Stelle empfiehlt sich die Überlegung: was möchte ich ausdrücken mit meiner Kleidung? Warum trage ich etwas bestimmtes oder auch nicht, was ist mir daran wichtig? Ziel sollte sein, Kleidung zu finden in der man sich selbst so wohl fühlt, dass man sich nicht verkleidet fühlt. Wenn man sich bewusst ist, was man ausdrücken möchte und weiß, was zu einem passt, dann braucht es nur noch den Mut sich damit auch zu zeigen.

für sich selbst einstehen

Letztlich macht Kleidung deutlich: wie sehe ich mich und wie sehen andere mich. Wenn vorher klar ist, wie möchte ich sein und wie will ich das ausdrücken, dann ist auch Kritik leichter zu verarbeiten, weil man sich bewusst entschieden hat. Das Feedback der anderen kann man mitnehmen und die Wahl vielleicht nochmal überdenken. Man kann aber auch eine Grenze setzen und sagen: „ok du hast da eine andere Meinung, aber ich fühl mich wohl so und ich würde dich bitten, dass du nicht einfach ungefragt meine Kleidung kommentierst.“

Jeder darf dazu seine Meinung haben und das ist auch ok, aber man muss die eigene Meinung auch nicht immer mitteilen. Tut jemand das, darf man auch mal eine Grenze setzen.

Kinder als Vorbilder

Kindern ist Kleidung total egal. Die Entscheidung: „Ich zieh jetzt das Tütü in die Schule an“ bringt dann nur Freude. Uns mit Kleidung auszudrücken, auszuprobieren, wohl zu fühlen ist eigentlich schon in uns drin, das lehren uns Kinder. Das verändert sich erst durch soziale Kontrolle bzw. Rückmeldung von anderen und der damit verbundenen Scham. So entwickelt sich ein Bewusstsein dafür, was man damit ausdrückt und ob es der sozialen Norm entspricht. Die Fähigkeit, uns da frei selbst auszudrücken ist also in uns angelegt, wir verlernen sie nur mit der Zeit.

Vielleicht täte es uns allen hin und wieder gut, das wieder neu zu lernen und auch andere in ihrem Ausdruck ihrer selbst einfach so sein zu lassen wie sie sich wohl fühlen.