Wie Sie von Therapie oder Beratung profitieren können

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Wenn man noch nie Berührung mit psychologischer Beratung oder gar Psychotherapie hatte, ist es manchmal nicht ganz klar, was dort von einem erwartet wird. Es gibt einige Dinge, die eine gut Basis bilden um von Beratung oder Therapie profitieren zu können und die möchte ich heute vorstellen. Vorweg ein Hinweis: es ist für das Gelingen dieser Zusammenarbeit von großer Bedeutung, ob die Chemie stimmt, sollte das nicht der Fall sein, ist es sehr ratsam, weiter nach geeigneter Unterstützung zu suchen. Und: es lohnt sich immer wieder zu hinterfragen: was brauche ich eigentlich für eine Unterstützung und finde ich die hier? Denn ich kann einen Nagel zwar irgendwie mit dem Buttermesser in die Wand schlagen, aber mit dem Hammer wird es sehr viel leichter gehen.

Die Regeln kennen

Eine therapeutische Beziehung ist keine normale Beziehung. Ich erfahre nichts von meinem Gegenüber, öffne mich dabei aber selbst sehr. Das erfordert Vertrauen und eben auch die Arbeit an der Beziehung. Ein Teil davon ist, dass ich sagen darf und soll, wenn ich mich unwohl fühle oder mir eine andere Unterstützung vorstelle. Das beinhaltet auch, die Grenzen dieser Beziehung zu kennen. Zum Beispiel besteht Schweigepflicht, also alles was ich sage oder alles was einen Hinweise auf meine Identität geben könnte, sogar die Tatsache, dass ich in Beratung oder Therapie bin, bleibt zwischen uns, außer ich selbst entscheide es preiszugeben. Und dazu gehört auch, dass die Zeit mir gehört und Probleme oder Schwierigkeiten meiner Therapeutin/ meines Therapeuten nicht Thema der Stunde sind. Davon ausgenommen sind natürlich Anekdoten, die mir bei meiner Fragestellung weiterhelfen sollen.

Ehrlichkeit und Offenheit

Sind die Grenzen klar, kann ein Raum entstehen, der von Offenheit und Ehrlichkeit geprägt ist. Tipp: seien Sie offen für Vorschläge, Hypothesen und neue Gedanken. Ziel ist ja eben, über den eigenen Tellerrand hinweg zu sehen und dabei auch mal in Richtungen zu denken, die mir unvertraut sind. Bleiben Sie dabei aber ehrlich, wenn etwas nicht passt, sich nicht stimmig anfühlt oder Sie innerhalb der Beziehung zu Ihrer Therapeutin eine Veränderung wahrnehmen. Denn letztendlich sind Sie Expert:in für sich und Ihre Gefühle und die andere Person ist nur Begleitung auf Ihrem Weg.

Sitzungen regelmäßig wahrnehmen

Ja, manchmal gibt es auch in der Therapie oder Beratung Phasen, in denen man sich den eigenen Themen lieber nicht stellen würde. Gerade dann ist es aber wichtig, trotzdem hinzugehen und genau das zum Thema zu machen. Es kann einem die Augen öffnen, zu verstehen, welche Reaktionen auf diese schwierige Situation sich wie im eigenen Alltag auswirken. Es kann auch helfen, Sitzungen nachzubereiten, sich Gedanken darüber zu machen, was wichtig war. Aber bei aller Konfrontation mit den eigenen Themen, es muss nicht immer alles auf einmal sein, auch hier gilt es, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten.

Aufgaben ernst nehmen

Häufig werden im Rahmen der Sitzungen Aufgaben vereinbart oder Fragen aufgeworfen, die es bis zur nächsten Sitzung zu erproben gilt. Nicht immer ist das hilfreich und nicht in jeder Therapieform wird das gemacht, aber es kann sehr hilfreich sein, folgendes zu wissen: Therapie bedeutet nicht, die/der Therapeut:in arbeitet. Es bedeutet, der oder diejenige, der:die in die Therapie kommt, arbeitet mit Begleitung der/des Therapeut:in an sich. Der Großteil der Arbeit passiert außerhalb der Sitzungen. Wenn das Leben also nach den Sitzungen plötzlich anstrengender wird oder es fast unmöglich scheint, die Aufgaben der Sitzung irgendwie unterzubringen, dann sind Sie am wichtigen Thema angekommen!

Fragen, Fragen, Fragen

Und darauf folgt dann: darüber sprechen, warum etwas so ist, wie Sie es erleben. Fragen Sie nach, wenn irgendetwas unklar, unangenehm oder ungewohnt ist. Kommen Sie auf besprochene Themen zurück, die Sie noch nicht verinnerlicht haben und nutzen Sie die Unterstützung um sich besser zu verstehen. Schließlich ist das Ziel, dass Sie sich selbst besser verstehen, nicht die Therapeutin oder der Therapeut!

Veränderung braucht Zeit

Und zu guter Letzt: Veränderung braucht Zeit. Versuchen Sie sich daran zu erinnern (oder beobachten Sie an eigenen Kindern) wie lange es gebraucht hat, bis Sie Fahrrad fahren konnten. Selbst einfache motorische Abläufe zu lernen, nimmt eine ganze Zeit in Anspruch. Wenn Sie sich mit eigenen Mustern oder Schwierigkeiten auseinandersetzen, müssen sie entweder etwas neu lernen oder etwas Bestehendes überlernen. Und so etwas braucht viel Zeit. Häufig ist das Ergebnis dieses Lernprozesses erst einige Jahre nach Ende der Therapie oder Beratung sichtbar. Hier sind die kleinen Schritte und Veränderungen wichtig und vor allem: Kontinuität.