Blumen am Wegesrand

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Du musst positiv denken! Muss ich?

In meinem Achtsamkeitskurs nutze ich sehr gerne eine Übung um zu zeigen, wie sehr der Fokus unserer Aufmerksamkeit unser Erleben beeinflussen kann. Dabei gibt es einen entscheidenden Unterschied zum – zur Zeit vor allem unter unseriösen Coaches sehr verbreiteten – „positiv denken„. Wer ein bisschen Erfahrung mit Achtsamkeit hat weiß, dass jedes Gefühl, jeder Gedanke, jede Empfindung wahrgenommen und angenommen wird, ohne diese jedoch zu bewerten. Es geht also nicht darum, sich etwas schön zu reden, was unangenehm erlebt wird. Vielmehr geht es darum, obwohl einiges unangenehm erlebt wird, nach den positiven Lichtflecken zu suchen. Es geht um den Fokus unserer Aufmerksamkeit.

Von Hundehaufen und Blumen

In der Übung geht es darum, in der Vorstellung durch einen Park zu laufen. Wichtig ist dabei, dass der Park lebendig wird, dass also Geräusche, Gerüche und die Umgebung bewusst wahrgenommen wird. Anfangs leite ich die Übung so an, dass der Fokus auf etwas Unangenehmem liegt, in diesem Fall auf dem Entdecken von Hundehaufen am Wegesrand. Bei einer Bank im Park wird Halt gemacht und wir nehmen uns einen Moment, um die eigenen Gedanken und Gefühle zu beobachten. Die meisten Menschen sind an dieser Stelle genervt, ärgern sich über die Mitmenschen und grübeln. Anschließend gehen wir den Weg zurück, diesmal mit Fokus auf die Blumen, die am Wegesrand blühen. Am Eingang des Parks nehmen wir uns wieder Zeit, Gedanken und Gefühle zu beobachten. Hier nehmen viele Menschen eine Leichtigkeit wahr, freuen sich über die Blumen und denken z.B. an die Blumen im eigenen Garten.

Die Macht des Fokus

Erkenntnis dieser Übung ist, dass sogar vorgestellte Hundehaufen einem durchaus den Tag versauen können, wohingegen die Welt etwas bunter wird, wenn man sich die Zeit nimmt, Blumen zu entdecken. Einerseits zeigt uns das natürlich, welchen Einfluss unser Denken auf unsere Stimmung hat. Andererseits aber eben auch, was es für einen unterschied machen kann, sich zu entscheiden, heute mal die Blumen zu sehen. Denn es handelt sich um den selben Park, die Hundehaufen sind immer noch da und bleiben es auch. Und trotzdem verbessert sich die Stimmung.

Veränderung ohne Selbstbetrug

Ob Sie nun also im wörtlichen Sinn die Blumen auf Ihrem Heimweg von der Arbeit suchen oder im übertragenen Sinn den Blick in Ihrem Leben auf die Dinge richten, die Ihr Leben leicht, bunt und lebenswert machen: ohne etwas an der Situation zu verändern oder sich selbst anzulügen können sie Ihre Stimmung beeinflussen, wenn Sie sich der Fokussierung Ihrer Aufmerksamkeit bewusst werden.