Reiter der Apokalypse: wie eine Beziehung garantiert scheitert

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Vor allem in der Arbeit mit Paaren, aber auch in Gesprächen mit Freunden und Familie kommt immer wieder die Frage auf: was hält Paare zusammen? Was macht eine gute Liebesbeziehung aus? Warum trennen sich manche “Traumpaare”, während andere, scheinbar nicht zusammenpassende Menschen, ihr Leben zufrieden zusammen verbringen. Natürlich übersteigt eine solche Frage den Rahmen eins Blog Beitrages, sie übersteigt sogar den Rahmen ganzer Bücher. Trotzdem ist das Thema Konflikte in Partnerschaften ein wichtiges. Ich möchte deshalb die fünf Reiter der Apokalypse einer Beziehung vorstellen. Geprägt hat den Begriff John Gottman, der im Rahmen seiner Forschung zunächst vier Reiter entdeckte, später hat er den 5. noch ergänzt. Und ebendiese Verhaltensweisen, die Vorboten des Endes einer Beziehung sind, möchte ich heute vorstellen. Also: was muss ich tun, um meine Beziehung ganz sicher gegen die Wand zu fahren?

1. Reiter: destruktive Kritik

Der erste sichere Weg, die eigene Beziehung scheitern zu sehen ist, den Partner oder die Partnerin konstant und destruktiv zu kritisieren. Das Gegenüber klein zu halten und ihm oder ihr ständig Fehler oder Imperfektionen vor Augen zu halten sorgt dafür, dass der Selbstwert der anderen Person sinkt und sie sich in meiner Gegenwart unwohl fühlt. Ein guter erster Schritt in Richtung Trennung: Dafür sorgen, dass der/ die Andere sich in der eigenen Haut und meiner Anwesenheit klein und unwohl fühlt.

2. Reiter: Verteidigungshaltung

Als nächstes empfiehlt es sich, ständig in Verteidigungshaltung zu gehen. Egal was mein Partner, meine Partnerin sagt, ich rechtfertige mich oder verteidige meinen Standpunkt. Verständnis oder Zuhören sind hier nur im Weg. Mein Gegenüber braucht das ständige Gefühl, mein Feind zu sein, sonst werden wir am Ende noch zu einem Team, das konstruktive Lösungen für Konflikte sucht.

3. Reiter: Verachtung

An den ersten Schritt anschließend ist es enorm wichtig, dass ich niemals Wertschätzung für mein Gegenüber aufbringe. Ständig Verachtung und Geringschätzung sind hier das Mittel der Wahl. Wenn die Verteidigungshaltung und die destruktive Kritik nicht mehr ausreichen um den/ die Andere fern zu halten, darf mein Gegenüber ruhig spüren, dass ich nichts oder nur sehr wenig von ihr/ ihm halte. Im Optimalfall schenke ich aber noch so viel Aufmerksamkeit, dass die Hoffnung auf Wertschätzung stets bleibt.

4. Reiter: Mauern oder Rückzug

Wenn alles nichts hilft, mein Gegenüber noch immer besonders verständnisvoll und gesprächsbereit bleibt, muss ich zum Rückzug greifen. Am besten verweigere ich jede Form der Kommunikation, gebe meine Gedanken und Gefühle niemals preis und beende Konflikte, indem ich sie einfach kommentarlos verlasse. Der/ die Andere darf sich dann die Zähne an mir ausbeißen. Gepaart mit den vorherigen drei Reitern durchaus ausreichend um jede starke Beziehung auf den Abgrund zuzusteuern.

5. Reiter: Machtdemonstration

Der fünfte, nachträglich ergänzte Reiter hat es auch ganz schön in sich. Hier lasse ich meine Partnerin oder meinen Partner spüren, wer die Macht hat. In gewisser Weise habe ich das über die Verachtung, den Rückzug und die destruktive Kritik ohnehin schon getan, denn damit vermittle ich dem/ der anderen: du bist kleiner als ich, weniger wert. Aber hier und da ganz demonstrative Zurschaustellung der eigenen Macht innerhalb der Beziehung wirken wahre Wunder, wenn man dieser den Todesstoß versetzen möchte.

Natürlich ist dieser Beitrag nicht ganz ernst gemeint. Trotzdem bleiben diese fünf Punkte als die Gemeinsamkeit, die Gottman bei Paaren kurz vor der Trennung entdecken konnte als wichtige Warnsignale bestehen. Die eine Anleitung für die perfekte Beziehung gibt es natürlich nicht, Beziehungen zu führen ist konstante und mitunter harte Arbeit. Die oben beschriebenen Verhaltensweisen sind aber – wenn nicht spätestens jetzt eine Verhaltensänderung eintritt – ein deutlicher Hinweis auf das Ende einer Beziehung. Sollten Sie einen davon am Partner/ der Partnerin oder sogar sich selbst entdecken, ist Selbstreflexion oder gegebenenfalls professionelle Unterstützung angebracht.