Grenzen setzen: so sagen Sie einfühlsam „Nein“

Lesedauer: 2 Minuten

Immer wieder taucht sowohl in der psychologischen Beratung als auch in der Psychotherapie das Thema Grenzen auf. Häufig fällt es Patient:innen oder Klient:innen schwer, überhaupt zu erkennen, wo ihre Grenzen überschritten werden. Aber selbst wenn das gelingt, stellt sich danach die Frage: wie kann ich meine Grenzen überhaupt schützen? Und wie kann das auf eine Art und Weise gelingen, die mein Gegenüber nicht sofort in eine Verteidigungshaltung bringt.

Grenzüberschreitungen erkennen

Wie oben bereits beschrieben ist der erste Schritt zunächst, zu erkennen, wo meine Grenzen überhaupt überschritten werden. Anfangs werden wohl zunächst die großen Grenzüberschreitungen ins Auge stechen. Aber je länger ich hinspüre und achtsam bin, desto mehr werden auch die kleinen Dinge auffallen. Und ich kann nur auf etwas reagieren, das mir überhaupt auffällt.

Beobachten und Verstehen

Wenn mir auffällt, wann meine Grenze überschritten wird, geht es daran herauszufinden, wie. Ich muss also mit dieser Information noch gar nichts besonderes machen. Ich beobachte zunächst möglichst genau, was passiert. Wie verhält sich mein Gegenüber, wenn ich etwas als Grenzüberschreitung wahrnehme? Bei welchen Verhaltensweisen fühle ich mich unwohl? Was macht das mir mit? Je genauer ich meinem Gegenüber Rückmeldung geben kann, desto besser kann auch auf meine Wünsche eingegangen werden.

Bedürfnisse und Gefühle ernst nehmen

Dann geht es daran, die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen. Wo ich eine Grenzüberschreitung erkannt habe und verstehe, was am Verhalten meines Gegenübers in mir Unwohlsein auslöst, muss ich rausfinden, was ich eigentlich bräuchte. Ich habe erkannt: das war jetzt nicht gut, das löst folgendes Gefühl in mir aus und jetzt suche ich nach Alternativen, die für mich besser wären. Das muss gar nicht immer etwas sein, das ich vom Anderen brauche. Oft reicht es schon, wenn ich selbst erkenne: das brauche ich gerade. Darum sollte ich mich kümmern. Dieses Gefühl sollte ich ernst nehmen.

Wünsche kommunizieren

Ich habe jetzt also erkannt, wann meine Grenze überschritten wird, welches Verhalten des Gegenübers welches Gefühl in mir auslöst und verstanden, welches meiner Bedürfnisse nicht erfüllt wurde. Sobald ich weiß, was ich stattdessen bräuchte, kann ich mich daran machen, das zu kommunizieren. Tipp: Kommunizieren Sie Ihrem Gegenüber genau die Schritte, die Sie selbst eben durchlaufen haben: Ich habe beobachtet, dass….dadurch fühle ich mich so….ich brauche gerade das….und deshalb bitte ich dich…… Sprechen Sie nur von sich und äußern Sie am Ende Ihren Wunsch an den Anderen. So fühlt sich Ihr Gegenüber nicht kritisiert oder in die Enge getrieben, sondern erfährt etwas über Sie und Ihre Bedürfnisse und erhält gleichzeitig die Chance, Sie zu unterstützen.