Fehler in der Arbeit: Fehlerkultur entwickeln

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In meinem letzten Beitrag zur psychischen Gesundheit im Alltag habe ich den Wert des Scheiterns erörtert, heute möchte ich mich der Entwicklung einer förderlichen Fehlerkultur widmen. Wer vorher etwas darüber erfahren möchte, welchen Wert das Scheitern haben kann, kann das hier nachlesen.

Geblieben ist die Frage, was tun bei Versagen. Um aus Fehlern zu lernen, braucht es vor allem eines: eine entsprechend förderliche Fehlerkultur und vor allem eine offene Gesprächsatmosphäre.

Was genau ist eigentlich eine Fehlerkultur und wie entwickelt man so etwas?

Der Begriff Fehlerkultur bezeichnet die Art und Weise, wie Gesellschaften, Kulturen und soziale Systeme mit Fehlern, Fehlerrisiken und Fehlerfolgen umgehen. Bereits hier wird deutlich: es geht um etwas Soziales, ein Miteinander, gemeinsame Vereinbarungen, Regeln, Vorgehensweisen und vor allem eine Haltung zum Umgang mit Fehlern.

Folgen von ungünstiger Fehlerkultur

Beschäftigen wir uns zunächst mit der Frage was passiert, wenn Menschen für ihre Fehler beschämt werden, statt diese konstruktiv zu nutzen oder wenn über Fehler gar nicht gesprochen wird? In beiden Fällen wird ein Fehler zum Tabu. Jede:r versucht, diesen zu vermeiden und wenn man doch mal einen macht, wäre es zum eigenen Nachteil das zuzugeben. Denn man entweder schon weiß, dass man dafür beschämt wird oder allein die Tatsache, dass sich sonst keiner traut, Fehler zuzugeben, macht einen zum:r Außenseiter:in.

Hinzu kommt: Wenn über Fehler nicht gesprochen wird, können ursprünglich kleine Fehltritte enorme Ausmaße annehmen. Verschwendet man anschließend Kraft darauf, Schuldige auszumachen, verpasst man zudem die Chance, dass alle aus der entstandenen Situation lernen. Vor allem in der Medizin ist dieses Problem schon lange bekannt, denn hier können bereits kleinste Fehler tödlich enden und sollten auf jeden Fall zur Weiterbildung aller genutzt werden.

Eine offene Gesprächsatmosphäre und vertrauensvoller und entwicklungsfördernder Umgang mit Fehlern ist im Sinne jedes Unternehmens!

Wie kann man eine förderliche Fehlerkultur entwickeln?

Stellt sich also die Frage, wie sich so eine Fehlerkultur entwickeln lässt. Kurz und knackig vier Tipps dazu:

Ängste abbauen

Um über Fehler ins Gespräch zu kommen, müssen zunächst Ängste abgebaut werden und das braucht Zeit und Geduld und vor allem klare Kommunikation der Führung: Wir möchten straf- und angstfrei über Fehler sprechen und daraus lernen ohne zu verurteilen.

Was und wie, nicht wer

Um die Atmosphäre angstfrei zu gestalten und die Absichten deutlich zu machen: aus Fehlern lernen alle, empfiehlt es sich, gar nicht danach zu fragen, wer den Fehler gemacht hat. Stattdessen sollte erforscht werden was genau passiert ist und wie es dazu kam.

Fortbildung statt Strafe

statt die Missetäter zu bestrafen sollte die Lernchance ergriffen werden. Wurde exakt verstanden, wie der Fehler zustande kam, kann eine regelmäßige Fortbildung für alle zur zukünftigen Vermeidung beitragen.

steter Tropfen höhlt den Stein

Um eine Fehlerkultur nachhaltig zu etablieren, müssen Räume des Austausches geschaffen werden. Diese sollten regelmäßig, zu immer gleichen Zeiten und möglichst verbindlich sein. So können auch scheinbar harmlose Fehler nicht im Alltagstrott untergehen.


Jeder Versuch eines Einzelnen, für sich zu lösen,
was alle angeht, muß scheitern.

Friedrich Dürrenmatt

Zeil einer erfolkgreichen Fehlerkultur sollte immer sein, sich gegenseitig in der Entwicklung unterstützen statt am Scheitern der Anderen den eigenen Selbstwert messen. Dazu kann jedes einzelne Teammitglied jeden Tag beitragen. Gegenseitige Unterstützung, statt Aufwertung durch Abwertung der Anderen.