Psycho-ABC: B wie Bindung

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Der Begriff der Bindung (engl. Attachment) ist vor allem in Zusammenhang mit der Erforschung von Säuglingen bekannt geworden. In diesem Zusammenhang meint Bindung (nach dem psychologischen Wörterbuch Dorsch) ein Verhaltenssystem, das die Aufgabe hat, dass die Hauptpflegeperson beim Kind bleibt und ihm dadurch Schutz und Lernhilfe geben kann. Die Anwesenheit der Bindungsperson ist die Voraussetzung dafür, dass Kinder Explorationsverhalten zeigen, also ihre Umgebung erkunden.

Bindungstypen

Die Forschung hat hierbei beobachtet, dass sich nicht alle Kinder in Trennungssituationen oder bei der Wiedervereinigung ihrer Bindungsperson gegenüber gleich verhalten und anhand dieser Beobachtung unterschiedliche Bindungstypen definiert: sicher gebundene Kinder, unsicher-vermeidend gebundene Kinder, unsicher-ambivalent gebundene und desorganisiert gebundene Kinder. Später stellte sich dann heraus, dass diese Bindungstypen auch Auswirkungen auf unser späteres Leben haben.

Auswirkung im Erwachsenenleben

Neben Auswirkungen, die die unterschiedlichen Bindungstypen z.B. auf die Partnerwahl und Gestaltung einer Paarbeziehung haben können, gibt es auch noch eine ganz naheliegende Auswirkung. Wir lernen im Rahmen der Bindung und beim Erwerb unseres Bindungstyps, wie Beziehungen funktionieren. Das bedeutet, dass die Art von Beziehung, die wir mit unseren primären Bezugspersonen (häufig die Eltern) haben, quasi unsere Vorlage sind für alle weiteren Beziehungen in unserem Leben. Natürlich muss das nicht automatisch bedeuten, dass alle unsere Beziehungen 1:1 so ablaufen. Aber wir haben eine Art Schema mitgenommen, dass sich häufig wiederholt, ohne dass uns das bewusst ist oder wir es aktiv in diese Richtung steuern. Das Thema Bindung hängt also zusammen mit Fragen wie: wie sind die Beziehungen im eigenen Leben gestaltet, welche Muster wiederholen sich ständig obwohl sie mir eigentlich nicht gut tun und warum erlebe ich in bestimmten Situationen immer wieder die gleiche Enttäuschung oder ziehe die gleichen Menschen scheinbar magisch an. Gerade deshalb ist es ein sehr wichtiges Thema in jeder Form der Therapie oder psychologischen Beratung.

Bindung und Autonomie

Neben dem Thema Bindung gibt es in der Kindheit noch eine andere große Aufgabe: die Autonomie. Wir lernen also zuerst, mit anderen Menschen in Kontakt zu sein um geschützt zu werden und so lernen zu dürfen. Und dann machen wir uns auf, die Welt und uns selbst zu entdecken. Zuerst gehen wir eine Beziehung ein, diese dient uns als sicherer Hafen und Schutz. Und dann, ebenso wichtig, bauen wir eine Beziehung zu uns selbst auf, wir erwerben Autonomie. In dieser Phase werden Kinder häufig als wütend oder trotzig erlebt, da sie den ärger und die damit einhergehende Kraft nutzen um sich abzugrenzen, etwas eigenes zu gestalten und auszuprobieren. Für eine gelungene Entwicklung braucht es immer beide Pole: Bindung und Autonomie. Wir brauchen zunächst die Sicherheit einer Beziehung um uns anschließend raus in die Welt zu wagen. Dies zeigt sich übrigens auch sehr schön in Studien. Menschen wurden in Stresssituationen gebracht, mussten z.B. vor der Tür auf ein Bewerbungsgespräch warten und dabei wurde ihr Stresslevel gemessen (anhand de Konzentration von Stresshormonen). Es zeigte sich: wenn diese Menschen ihren Partner oder ihre Partnerin zur Unterstützung dabei haben konnten, senkte sich das Stresslevel. Unser Bindungssystem gibt uns also auch im Erwachsenenalter Sicherheit.

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