Gefühle: täglicher Begleiter und doch ein großes Rätsel

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Wir erleben sie jeden Tag: Gefühle. Mal erleben wir sie angenehm (z.B. Freude), mal unangenehm (z.B. Ärger oder Angst), auf die eine oder andere Art sind sie unsere täglichen Begleiter. Dennoch geben uns sowohl die eigenen als auch die Gefühle unserer Mitmenschen häufig auf Rätsel auf. Ich möchte diesen Beitrag daher diesem Thema widmen und ein wenig über die Grundlagen informieren.

Was man über Emotionen wissen muss

Es gibt sogenannte Basisemotionen, die in allen Kulturen vorkommen und einen zuordenbaren Gesichtsausdruck haben. Mit anderen Worten: Angst sieht in jeder (fast) Kultur gleich aus. Diese Basisemotionen sind: Freude, Ärger, Ekel, Angst, Trauer und Überraschung. Auch Scham und Schuld sind Emotionen mit erkennbarem Gesichtsausdruck, diese sind aber komplexere Emotionen, die an soziale Regeln gebunden sind. Daher gehören sie nicht per se zu den Basisemotionen. An dieser Stelle ein Hinweis: der Film „Alles steht Kopf“ erklärt das Zusammenspiel und die Entwicklung von Gefühlen sehr genau und gibt diese psychologisch korrekt wieder.

Zwar haben diese Emotionen theoretisch immer den gleichen Ausdruck – die gleichen Muskel im Gesicht werden bewegt – praktisch sieht das natürlich bei jedem Menschen anders aus. Scham und Schuld sind gute Beispiele dafür, dass Emotionen auch viel mit Kultur und Sozialisation zu tun haben: ob eine Emotion gezeigt werden darf, hängt von kulturellen Regeln ab. Beispielsweise ist es üblich, dass Mädchen wenig Wut zeigen und Jungs wenig Angst. Und wofür wir uns schämen müssen, das geben uns soziale Regeln vor.

Aufgabe der Gefühle

Am Aufbau unseres Gehirns kann man ablesen, dass die für Emotionen zuständige Gehirnregion (lymbisches System, Amygdala) zu den alten Strukturen gehört. Manche Organe haben ihre Funktion im Laufe der Evolution verloren und sich zurückgebildet. Dass wir noch Gefühle haben ist also ein Zeichen dafür, dass sie eine Aufgabe haben. Sie sind sogar überlebenswichtig, ähnlich wie Hunger, Durst und Schmerz. Und ähnlich wie die drei genannten Empfindungen sind unsere Emotionen Signale, die die Psyche uns sendet. Sie sollen unser Überleben und das unserer Art sichern. Wir können diese Signale grob als Anzeiger dafür verstehen, dass ein Bedürfnis erfüllt wurde oder eben nicht. Bedürfnis wurde erfüllt: angenehmes Gefühl, Bedürfnis wurde nicht erfüllt: unangenehmes Gefühl.

Selbstverständlich haben spezifische Gefühle auch spezifische Aufgaben: Angst beispielsweise warnt uns vor Gefahren, Freude belohnt uns für eine Handlung, die uns gut getan hat, Trauer sichert uns die Versorgung unserer Artgenossen usw. Das Thema Gefühle ist ein so weitreichendes Thema, dass sich unzählige weitere Artikel dazu finden und es unmöglich ist, alles Wissenswerte dazu auch nur in einem Buch zu erklären.

Gesichter lesen

Der Psychologe Paul Edman hat für das Erfassen von Gesichtsausdrücken sogar ein Kodiersystem erfunden. Mit dem sogenannten FACS (Facial Action Coding System) kann man lernen, welche Gesichtsmuskeln bei welchem Emotionsausdruck aktiv sind. Dieses Kodiersystem kann man natürlich lernen, es ist allerdings sehr mühsam und aufwändig. Ich selbst habe mir die Mühe während meiner Studienzeit gemacht und kann daher berichten: sehr spannend, aber für den Alltag leider wenig hilfreich. Die Ausdrücke, die hier beobachtet und kodiert werden, laufen im Bereich von Millisekunden ab, man braucht also Aufzeichnungen auf Video, sonst kriegt man die meisten gar nicht mit. Für die Wissenschaft, vor allem die Psychotherapieforschung hat dieses System jedoch einen großen Mehrwert! Denn so kann zwischenmenschliches Geschehen erfasst werden, das andernfalls übersehen worden wäre.

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