Gedankenkreisen

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Ich möchte mich diese Woche einem Thema widmen, das einerseits Symptom verschiedener psychischer Erkrankungen ist, andererseits aber auch ohne Erkrankung im Alltag beschäftigen kann: das Gedankenkreisen, oft auch Gedankenkarussell und im Fachjargon “Rumination” genannt. Ich möchte kurz erklären was das ist und dann Tipps zum Umgang damit geben.

wenn die Gedanken rasen

Die Bezeichnung “Gedankenkreisen” ist ja an sich schon ein sehr lautmalerischer Begriff. Und er meint auch genau das: die Gedanken rasen, sie entwickeln ein Eigenleben, belasten z.B. den Schlaf oder auch Ruhephasen im Alltag. Häufig machen wir den Denkfehler: ich komme immer ins Grübeln, wenn ich mich ausruhe, also mache ich einfach keine Pause mehr. Dabei kommuniziert unsere Psyche hier gerade etwas sehr wichtiges: es wird zu viel, ich brauche dringend mehr und längere Pausen. Und stattdessen geben wir noch mehr Gas um dieses unangenehme Gefühl loszuwerden.

Notfall-Hilfe

Nun gibt es verschiedene Wege, das Grübeln anzugehen. Sollten Sie Ihre Gedanken schon über mehrere Wochen als belastend und außergewöhnlich grüblerisch erleben, empfiehlt es sich im Zweifel Ihren Hausarzt/ Ihre Hausärztin oder eine:n Psychotherapeut:in aufzusuchen um eine mögliche psychische Erkrankung rechtzeitig behandeln zu lassen.

Da gerade durch die Corona-Pandemie die Nachfrage nach Psychotherapie extrem gestiegen ist und Symptome wie Grübeln sich auch bei vorher bzw. ansonsten gesunden Menschen zeigen (warum das so ist, erfahren Sie hier), möchte ich hier trotzdem kurze Notfall-Hilfen vorstellen.

langfristige Strategien

Will man Gedankenkreisen langfristig vermeiden, ist Ausgleich das A und O. Arbeit und Privates zu trennen, genügend Pausen zu machen und vor allem einen gesunden Umgang mit Stress zu finden sind absolut notwendige Voraussetzungen um solche Symptome von vornherein zu verhindern.

Dabei kann es helfen, eigene Frühwarnzeichen für zu viel Stress zu kennen, sich mit dem Thema Burnout zu beschäftigen und präventiv Entspannungstechniken zu erlernen.

Hierfür ist eine gesunde Lebensführung die Grundlage und die beinhaltet ausgewogene Ernährung, regelmäßig und ausreichende Bewegung, Ausgleich in der Freizeit und gesunden Schlaf. Auch das Thema gesunder Schlaf ist so umfassend, dass es dazu einen eigenen Blogbeitrag geben wird. Es finden sich allerdings in verschiedenen Blogs bereits einige gute Beiträge zum Thema Schlaf.

Kurse und Apps

Das Angebot an psychologischer Unterstützung im Internet ist bekanntlich enorm. Gerade für Laien ist eine Unterscheidung zwischen seriösen und unseriösen Angeboten teilweise aber enorm schwierig. Daher kann ich nur empfehlen, bei solchen Angeboten auf Qualität zu achten. Zum einen kann die Frage “wer steht da eigentlich dahinter” schon sehr aufschlussreich sein. Mehr zur Unterscheidung verschiedener Berufsgruppen in diesem Beitrag. Was die Buchung von Kursen zur Stressbewältigung angeht würde ich von den Krankenkassen zertifizierte Kurse wählen, die übernehmen die Qualitätssicherung für Sie. Solche Kurse finden Sie auf der Website Ihrer Krankenkasse.

Zur Nutzung von Apps gibt es so viel zu sagen, dass das einen eigenen Beitrag füllen würde. Für den Bereich der Achtsamkeit kann ich persönlich die App “Headspace” empfehlen, zu der es aktuell auch eine Serie auf Netflix gibt. Von “Calm” wurde mir bisher nur Positives berichtet, ebenso wird die App “7mind” von verschiedenen Krankenkassen empfohlen oder sogar finanziert. Die beiden letzten Apps habe ich persönlich aber nicht getestet.

Zu anderen psychologischen Apps gibt es einen guten, aber erschreckenden Beitrag von Funk, auf den ich an dieser Stelle verweisen möchte.

Immer zu bedenken gebe ich bei Anwendungen online, dass diese so entwickelt werden, dass sie möglichst viele Menschen erreichen. Das hat natürlich seine Vorteile, aber überall da wo verallgemeinert wird, geht eben Information verloren. Im Zweifel ist es also wichtig, sich auf einen selbst zugeschnittene Hilfe im persönlichen Kontakt zu suchen.

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