Stress abbauen ohne Sport – geht das?

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Bestimmt hat jeder das schon mal gehört, gedacht oder sogar selbst gesagt: Sport ist gesund und wir bewegen uns insgesamt viel zu wenig. Klar, theoretisch weiß das jeder. Neben Dingen wie grundlegender Fitness, körperlicher Gesundheit und Prävention von Schmerzen kann Sport aber auch einen ganz erheblichen positiven Einfluss auf unsere Psyche haben.

Über den Zusammenhang von Depression und Aktivität

So kann Sport beispielsweise zur Verbesserung depressiver Symptome beitragen. Der viel zitierte Satz “Sport ist das am meisten unterschätzte Antidepressivum” kommt auch hier wieder zum Tragen. Einerseits, weil uns Bewegung an der frischen Luft gut tut, wir Vitamin D tanken und der Mangel dieses Vitamins ebenfalls einen Einfluss auf depressive Symptome haben kann. Andererseits aber auch weil Teil der Behandlung einer Depression ist, wieder aktiver zu werden. Die Verhaltenstherapie betrachtet die Neuaufnahme von Aktivitäten als wichtigen Baustein der Therapie. Da mir das Thema Prävention psychischer Erkrankung am Herzen liegt an dieser Stelle eine Anregung: Warum immer erst da ansetzen, wo man schon in der psychischen Erkrankung gelandet ist? Sport oder im weitesten Sinn Bewegung, Aktivität lässt sich auch zur Verhinderung von psychischen und körperlichen Erkrankungen wunderbar nutzen.

Die Dosis macht das Gift

Häufig tendieren wir – angetrieben vom social media Druck immer fit und schön zu sein – dazu, entweder gar keine Bewegung in unser Leben zu integrieren oder dann gleich mit Trainingsplan 5x pro Woche zu starten, nur um nach spätestens 14 Tagen das Handtuch zu werfen. Stellt sich also die Frage: wie viel Sport sollte man denn machen? Und da beginnt schon das Problem. Wir Menschen haben ein Belohnungssystem, das zum Ziel hat, dass wir für uns angenehme oder förderliche Dinge wiederholen. Dieses System ist an der Entstehung von Sucht beteiligt und kann wunderbar genutzt werden um förderliche Verhaltensweisen zu verstärken. Warum also nicht unser eingebautes Belohnungssystem nutzen um gesünder zu leben? Und da kommt die Frage nach der Häufigkeit wieder ins Spiel. Viel wichtiger ist die Beständigkeit: ein Marathon, kein Kurzstreckenlauf. Es ist also sinnvoller, sich eine Form der Bewegung zu suchen, die Spaß macht und das auch regelmäßig. Zunächst sollte diese Form zur Gewohnheit werden, das dauert seine Zeit. Anschließend kann ich versuchen, die Häufigkeit oder Dauer der Bewegung zu strecken. Klar, je mehr Bewegung, desto besser. Aber konstante Bewegung das Leben hindurch ist wiederum gesünder, als jeden Januar 14 Tage durch zu trainieren fürs schlechte Gewissen, nur um danach wieder auf dem Sofa zu versumpfen.

Dem Stress davonlaufen

Ein weiterer Punkt, warum Bewegung elementar ist für psychische Gesundheit ist zum Abbau von Stress. Hat man einmal verstanden, wie Stress entsteht, wird schnell klar, warum Stress ohne Bewegung nicht abgebaut werden kann. Stress ist eine natürliche menschliche Reaktion, die körperliche Energie mobilisiert und den Körper auf eine schnelle Reaktion vorbereitet. Die Reaktion (z.B. Kampf oder Flucht) baut dann die Stresshormone wieder ab und der Körper kehrt wieder in den Ruhezustand zurück. Ursprünglich war die Stressreaktion also für lebensbedrohliche, zeitlich begrenzte, Notsituationen vorgesehen. Genau dasselbe macht der Körper allerdings auch u.a. bei Arbeitsüberlastung oder auch (Dauer-) Lärm. Hier bleibt dann allerdings zum einen der Abbau der Energie aus, zum anderen ist der Stressor dann nicht zeitlich begrenzt. Das ist dann kein akuter Stress mehr sondern Dauerstress und der führt bekanntlich zu einigen körperlichen und psychischen Erkrankungen. Ansetzen kann man jetzt aber am Punkt Abbau von Stresshormonen, denn die werden über Aktivität abgebaut. Man kann also wortwörtlich dem Stress davon rennen.