Stress in der Arbeit: was tun, wenn ich die Umstände nicht verändern kann?

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Stress in der Arbeit ist heute ein häufiges Thema. Vor allem in Zusammenhang mit Burnout als Folge von Dauerstress wird dieser häufig diskutiert. Psychische Erkrankung machen mittlerweile einen nicht zu unterschätzenden Anteil der Krankheitstage aus, es lohnt sich also sich mit Stress zu beschäftigen.

Stress in a nutshell

Zur Frage was ist Stress eigentlich möchte ich hier nur ein paar Worte verlieren: Stress ist ein erlebtes Ungleichgewicht zwischen Anforderungen, die an mich gestellt werden und Ressourcen, die mir zur Bewältigung der Anforderungen zur Verfügung stehen.

Damit hat man also zwei Ansatzpunkte: die Anforderungen und die Ressourcen. Zum Thema Ressourcen gibt es andere Beiträge, denn das ist ein ganz eigenes Thema. Konzentrieren wir uns also auf die Anforderungen, also die Umstände. Was aber, wenn ich die Umständen nicht verändern kann? Sammeln wir hierfür zunächst einige Beispiele: ein schwieriger Chef, ich bin auf den Job angewiesen, schwierige Kollegen, kein Spaß am Job, kein Spaß im Beruf allgemein, zu wenig Bezahlung, zu wenig Freizeit, die Liste ist endlos.

Radikale Akzeptanz: verändern oder annehmen

Aber ist es wirklich so aussichtslos, wie diese Liste suggeriert? Ich lade Sie dazu ein, sich zunächst mit dem Prinzip der radikalen Akzeptanz an dieses Thema zu wagen und sich bei Ihrem scheinbar in Stein gemeißelten Problem zu fragen: Ist es wirklich unveränderter? Oder kann ich vielleicht doch etwas verändern? Kann ich die Situation so wie sie ist annehmen?

Sich diesen Fragen zu stellen bedeutet zunächst zu reflektieren:

kann ich die Umstände wirklich nicht verändern? Oder gibt es Gründe die mich davon abhalten, die Umstände zu verändern?

Nicht alles ist in Stein gemeißelt

Manchmal fühlt es sich so an als seien wir Situationen ausgeliefert, tatsächlich steckt dahinter aber die Entscheidung, manche Dinge so anzunehmen wie sie sind, etwas Bestimmtes also zwar ändern zu können, aber eigentlich gar nicht ändern zu WOLLEN. In diesem Fall würde ich vorschlagen, zur Akzeptanz überzugehen. Es bleibt Ihnen überlassen ob Sie manche Dinge ändern möchten oder nicht, aber es erspart Ihnen einiges an innerem Kampf, wenn Sie diese Entscheidung bewusst treffen.

Wie hoch ist der Preis?

Wenn Sie die Umstände ihres derzeitgen Jobs nicht ändern können, könnten Sie die Fragen stellen: Bin ich auf diesen Job, diesen Beruf angewiesen? Was würde mich ein Wechsel kosten? Welche Chancen birgt der Wechsel?

Und auch hier wieder mithilfe der radikalen Akzeptanz ausloten ob es Veränderung oder Akzeptanz braucht. Wenn Sie an dieser Stelle merken, dass in Ihnen Ärger aufkommt, wenn Sie Ihr Problem unter dem Aspekt der Akzeptanz, sind Sie vermutlich noch am Hadern. Dann lohnt es sich, noch einmal zum Absatz über Stress zu springen: Stress ist ein erlebtes Ungleichgewicht. Die eigene Bewertung spielt eine entscheidende Rolle dabei ob wir etwas als Belastung, Bedrohung, Schaden oder als Herausforderung wahrnehmen.

Akzeptanz

Akzeptieren heißt nicht alles hinzunehmen oder gar gut zu heißen. Es bedeutet lediglich, keine Energie mehr in einen inneren Kampf zu stecken, der an den Umständen auch nichts ändert. Wenn Sie das annehmen können, bleibt auch mehr Kraft für die Suche nach neuen Ressourcen.

Grenzen der Akzeptanz

Als abschließende Bemerkung möchte ich hinzufügen, dass es diskriminierende Strukturen verschiedenster Art in der Gesellschaft gibt, Grenzüberschreitungen von Vorgesetzten usw. Diese Art des Angriffs auf die eigene Person ist hier nicht gemeint. Natürlich kann in solchen Fällen Akzeptanz der Situation den Betroffenen helfen, diese darf aber nicht dazu führen, dass die Betroffenen allein zum Problem gemacht werden. Sollten Sie so etwas gerade erleben, möchte ich Sie einladen, sich Unterstützung jeder Art zu suchen: professionelle Hilfe, Zuspruch von Freund:innen, Familie oder Partner:in, Beratung für Menschen mit Diskriminerungserfahrungen.