gesund durch den Alltag

Lesedauer: 2 Minuten

In den letzten Wochen habe ich gelegentlich Fragen im Radio aus psychologischer oder pädagogischer Sicht kommentiert. Dabei ist mir aufgefallen, wie viele der Themen, die uns so alltäglich erscheinen, man eigentlich nutzen kann um die eigene psychische Gesundheit zu stärken.

Ich möchte in diesem Beitrag nicht auf die einzelnen Alltagsthemen eingehen, sondern stattdessen die Entstehung psychischer Erkrankungen erklären und damit zeigen, warum auch der Blick auf solche Dinge hilfreich ist.


Psychische Erkrankung: Stärke oder Schwäche?

Ich möchte eines der Modelle, wie psychische Erkrankung entsteht, in Form eines Videos verständlich machen.

Jeder von uns hat (für uns nicht sichtbare) Vorbelastungen, hier als Bodensatz dargestellt. Das kann z.B. Vorerkrankung der Eltern oder Großeltern, genetische Faktoren, Komplikationen in der Schwangerschaft, eigene Vorerkrankungen oder ungünstige Umwelt- und Entwicklungsbedingungen sein. Wie viel Vorbelastung wir mitbringen, das wissen wir nicht.

Oben drauf kommt dann der Stress, der uns begegnet. Wenn Bodensatz und Stress gemeinsam so hoch klettern, dass man über die (im Video rote) Stress-Schwelle kommt, entwickelt man psychische Symptome. Man kann also mit genügend Stress jeden Menschen krank machen.

Mithilfe von Hobbys und anderen Ressourcen können wir versuchen, unter der Stress-Schwelle zu bleiben. Aktuell macht uns die Pandemie die meisten Hobbys und Ausgleichsmöglichkeiten unmöglich.


Klar, sich gesund ernähren, genug bewegen, ausreichend schlafen und work-life-balance, wer hat es nicht schon gehört. Gerade in der aktuellen Situation ist es aber kaum möglich, dieses Gleichgewicht zu halten.


Deshalb möchte ich einige der nächsten Blog-Beiträge dem Thema widmen: wie kann ich auch ganz selbstverständliche Alltagsthemen für die eigene psychische Gesundheit nutzen? Oder auch: was steckt vielleicht alles an Chancen in solchen Themen?


So möchte ich zeigen, wie man mit ganz alltäglichen Dingen wieder etwas mehr ins Gleichgewicht kommen kann.

Psychologe, Psychotherapeut, Psychiater – alles das gleiche?

Lesedauer: 4 Minuten

In diesem Beitrag möchte ich auf die recht undurchsichtige Versorgungslage in Deutschland eingehen.

Oft sind es immer die gleichen Fragen, unklare Begrifflichkeit und die Frage: Wer hilft wann, die die ohnehin schon schlechte Versorgung in Deutschland noch zusätzlich erschweren.

Wer schon weiß, wonach er sucht, und hier nur erfahren möchte, wie man an einen Psychotherapeuten kommt, kann hier direkt zum richtigen Abschnitt springen.


Wer ist wofür zuständig?

Zunächst möchte ich auf den Unterschied zwischen den verschiedenen Berufsbildern, deren Ausbildung und Aufgabenbereich kurz eingehen. Ein Verständnis der Unterschiede macht die Klärung aller anderen Fragen wesentlich einfacher.

psychologische BeraterIn: es handelt sich hierbei um keinen geschützten Begriff. Jeder darf sich psychologischer Berater nennen, auch wenn der oder diejenige keine gesonderte Ausbildung hierfür hat. Deshalb empfiehlt es sich, hier besonders vorsichtig zu sein und die Qualifikation der Person zu überprüfen, deren Beratung man in Anspruch nimmt. Ein Anhaltspunkt kann beispielsweise das Gütesiegel des Berufsverbandes deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) sein. Der BDP vergibt dieses Siegel nach eingehender Qualitätsprüfung an qualifizierte PsychologInnen, die eine fundierte Ausbildung und Erfahrung in der psychologischen Beratung gesammelt haben.

PsychologIn: Um sich Psychologin oder Psychologe nennen zu dürfen, muss man ein Hochschulstudium (Bachelor & Master oder Diplom) absolviert haben. Die Psychologie ist eine eigenständige empirische Wissenschaft, während die Psychiatrie ein Teilgebiet der Medizin ist. Die Psychologie beschreibt und erklärt das Erleben und Verhalten des Menschen, seine Entwicklung im Laufe des Lebens sowie sämtliche dafür maßgeblichen inneren und äußeren Faktoren und Bedingungen. Während des Hauptstudiums werden Kenntnisse über die seelisch-körperliche Gesundheit und Krankheit sowie Grundlagen der wissenschaftlichen Psychotherapie vermittelt. 

Psychologische PsychotherapeutIn: Um psychologische Psychotherapeutin zu werden, muss man vom Grundberuf her PsychologIn sein. Anschließend folgt (je nach Verfahren) eine drei bis fünfjährige Weiterbildung. Diese ist sehr aufwändig und umfasst neben Theoriestunden und Praktischer Arbeit in verschiedenen Klinken auch Selbsterfahrung und das Therapieren eigener PatientInnen unter Supervision. Die Gestaltung der Weiterbildung richtet sich nach dem sogenannten Psychotherapeutengesetz, ist also gesetzlich geregelt. Es gibt vier verschiedene Richtlinienverfahren: die Verhaltenstherapie, die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und die Psychoanalyse (diese beiden bilden gemeinsam die sogenannten psychodynamischen Verfahren) und neuerdings auch die systemische Therapie.

Ärztliche PsychotherapeutIn: Ärztliche Psychotherapeuten sind vom Grundberuf her Mediziner, haben also ein mindestens 6-jähriges Medizinstudium absolviert, mit der Approbation abgeschlossen sowie die dazugehörende Erfahrung in der Praxis gesammelt. Ähnlich wie bei psychologischen Psychotherapeuten schließt sich an den Grundberuf des Mediziners eine umfangreiche Weiterbildung an.

Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie: Um in Deutschland als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie tätig zu werden, muss eine insgesamt 11-jährige Aus- und Weiterbildungszeit absolviert werden (6 Jahre Studium, mindestens 5 Jahre Facharztweiterbildung). Voraussetzung für den Beginn der Facharztweiterbildung ist die Approbation. Das bedeutet, dass jemand mit dieser Berufsbezeichnung praktische Erfahrung in der psychiatrischen und psychotherapeutischen Patientenversorgung sowie der Neurologie gesammelt hat. Die Berufsgruppe der Ärzte ist die einzige, die berechtigt ist, Medikamente zu verschreiben. Ein Besuch beim Facharzt für Psychiatrie einmal im Quartal kann zwar eine (wöchentliche) Psychotherapie nicht ersetzen, jedoch wunderbar ergänzen.

HeilpraktikerIn für Psychotherapie (HP): Für den Heilpraktiker für Psychotherapie wird weder eine einheitliche und staatlich regulierte Ausbildung noch überhaupt eine Ausbildung vorausgesetzt, es muss lediglich eine Prüfung abgelegt werden. Zudem sind die Voraussetzungen zur Erteilung der Berufserlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz im Vergleich zu den anderen sehr umfangreichen universitären Aus- und Weiterbildungen eher gering. Man braucht einen Volksschulabschluss, muss das 25. Lebensjahr vollendet haben, keine Vorstrafen haben und gesund genug sein um den Beruf auszuüben. Natürlich gibt es auch in diesem Bereich sehr gute Unterstützung, jedoch bietet die Ausbildung im Vergleich zu den anderen hier vorgestellten Berufsbildern keinerlei Qualitätssicherung, denn der nicht abverlangten Ausbildung für Heilpraktiker steht eine durchschnittlich 12-jährige Studien- und Ausbildungszeit von Seiten sowohl ärztlicher als auch nichtärztlicher approbierter PsychotherapeutInnen gegenüber. Deshalb darf auch die Berufsbezeichnung Psychotherapeut nicht geführt werden. In der Praxis findet man jedoch oft Psychotherapie (HP), was für Laien sehr irreführend sein kann.


Wie komme ich an einen Psychotherapeuten?

In Deutschland findet man (psychologische oder ärztliche) Psychotherapeuten mit Approbation über die Krankenkassen. Ein Therapeut mit Approbation kann einen Kassensitz erwerben oder ohne Kassensitz arbeiten. Der Unterschied für die Patienten ist der, ob die Krankenkasse die Behandlung zahlt. Nimmt man einen Therapeuten mit Kassensitz in Anspruch, übernimmt sowohl die private als auch die gesetzliche Krankenkasse die Behandlung. Bei Therapeuten ohne Kassensitz übernimmt die private Krankenversicherung die Kosten ebenfalls. Für Versicherte der gesetzlichen Krankenkasse gibt es in diesem Fall die Möglichkeit einer sogenannten Kostenrückerstattung, in der Praxis lehnen das aber immer mehr gesetzliche Krankenkassen ab. Zudem gibt es die Möglichkeit, eine Therapie als Selbstzahler in Anspruch zu nehmen.

Eine Liste von Psychotherapeuten (in der eigenen Umgebung) gibt es hier.


Mein Angebot

Ich biete psychologische Beratung an, bin sowohl Psychologin als auch Pädagogin.

Das bedeutet, dass ich keine psychologische Psychotherapie anbiete und meine Leistung nicht von einer Krankenkasse übernommen werden kann, sondern die Kosten selbst getragen werden müssen.

Ich biete Ihnen Unterstützung in Situationen, in denen Sie selbst nicht mehr weiter kommen. Das kann Unterstützung in ganz verschiedenen Situationen sein, beispielsweise Lebenskrisen, Schwierigkeiten in der Beziehung, berufliche Unsicherheiten oder die Suche nach mehr Sinn und Erfüllung im Leben. Der Vorteil professioneller psychologischer Beratung ist, dass Sie Unterstützung von einer unabhängigen Person mit einem offenen Ohr erhalten, die Ihnen wertfrei und fachlich kompetent einen anderen Blick auf die Herausforderungen des Lebens bieten kann.


Konflikte unter Kolleg:innen: schwierige Gespräche führen

Lesedauer: 2 Minuten

Immer wieder zeigt sich in meinen Beratungen: auch wenn im Arbeitskontext die meisten Menschen versuchen, Beziehungen professionell zu gestalten, es bleiben trotzdem Beziehungen mit all ihren Herausforderungen. Und das kann bedeuten, dass ich auch einmal mit einer Kollegin oder einem Kollegen ein schwieriges Gespräch führen oder einen Konflikt klären muss.

Für eben diesen Fall möchte ich Ihnen einige Anregungen mitgeben, was Sie vermeiden sollten.

Sitzt du?

Es gibt einige Sätze, die schon vor Beginn des Gespräches dem Gegenüber deutlich machen, dass das Ganze gleich äußerst unangenehm wird. Der Klassiker jeder Beziehung ist wohl der Satz „Wir müssen reden. Wirklich.“ Auch bei Fragen wie „Sitzt du?“, „Ich möchte dich warnen: was ich zu sagen habe, wird dir nicht gefallen“ oder „Es gibt da etwas, das du wissen solltest“ hat ihr Gegenüber vermutlich eher düstere Fantasien über das Gespräch mit Ihnen.


Sei mir nicht böse

Einem Satz wie dem in der Überschrift folgt meistens etwas, bei dem Ihr Gegenüber garantiert wütend wird. Mit eben diesem Satz sprechen Sie Ihrem Gegenüber aber gleichzeitig auch das Recht ab, wütend zu sein. Auch damit erreichen Sie vermutlich eher, dass Ihr Gegenüber sehr wütend wird, sich das jedoch nicht zeigen traut und stattdessen passiv aggressiv beginnt zu sticheln. Ein gutes Gelingen schwieriger Gespräche erfordert jedoch eine möglichst entspannte Atmosphäre und die erreichen Sie vor allem dann, wenn Sie selbst authentisch Gefühle kommunizieren und sich diese nicht versteckt einschleichen. In diesem Sinne sollten Sie auch solche Sätze vermeiden: „Meiner bescheidenen Meinung nach“, „Nicht böse gemeint oder so…..“ oder „Bei allem Respekt“

Hey, ich bin doch nur ehrlich


Es mag verlockend erscheinen, wenn ein Konflikt bevorsteht, erstmal die Beziehung zu verstärken. Sätze wie „Ich bin die Einzige Person, die sich traut, dir ins Gesicht zu sagen, was alle hinter deinem Rücken über dich reden“ helfen da scheinbar, denn man verbündet sich mit der angesprochenen Person gegenüber anderen. Gleichzeitig aber startet Ihr Gegenüber bereits misstrauisch und gekränkt in Ihr Gespräch. Und Sie sind der Grund für diese Kränkung. Zudem geht die Beziehung zu Kolleg:innen ja auch über diese eine Situation hinaus, weshalb Ihnen diese Aussage später in Kontakt mit anderen Kolleg:innen womöglich noch mehr Konflikte bereitet. Auch das sollten Sie daher eher vermeiden.

Tipp: Machen Sie es sich nicht schwerer, als es eh schon ist

Stattdessen möchte ich Ihnen Folgendes anbieten: nehmen Sie sich einen Moment Zeit um sich in Ihr Gegenüber einzufühlen. Wie würden Sie gerne etwas Unangenehmes mit einer Kollegin besprechen? Würde eine Einführung des Themas wie „das wird dir nicht gefallen“ oder „wir müssen reden“ dazu beitragen, dass Sie offen und unvoreingenommen in die Situation gehen? Und wenn Sie schon mit dieser Erwartung ins Gespräch gehen, wäre dann nicht die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Streit daraus entwickelt recht groß? Versuchen Sie also stattdessen, eine möglichst offene und annehmende Gesprächsatmosphäre zu schaffen. Versuchen Sie, dem Gegenüber die Angst zu nehmen. Dabei können offene Fragen, Raum für Kritik, ein achtsames Miteinander und Ehrlichkeit bezüglich der eigenen Gefühle wahre Wunder wirken.

Wenn Sie mehr darüber lesen möchten, wie Sie gesunde Beziehungen leben können, finden Sie hier einen Artikel dazu und hier finden Sie Soforthilfe-Tipps, wie Sie Ihre Beziehungen verbessern. Speziell zu Partnerschaften lesen Sie hier mehr. Und hier erfahren Sie, wie Sie einfühlsam Grenzen setzen können.