Konflikte unter Kolleg:innen: schwierige Gespräche führen

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Immer wieder zeigt sich in meinen Beratungen: auch wenn im Arbeitskontext die meisten Menschen versuchen, Beziehungen professionell zu gestalten, es bleiben trotzdem Beziehungen mit all ihren Herausforderungen. Und das kann bedeuten, dass ich auch einmal mit einer Kollegin oder einem Kollegen ein schwieriges Gespräch führen oder einen Konflikt klären muss.

Für eben diesen Fall möchte ich Ihnen einige Anregungen mitgeben, was Sie vermeiden sollten.

Sitzt du?

Es gibt einige Sätze, die schon vor Beginn des Gespräches dem Gegenüber deutlich machen, dass das Ganze gleich äußerst unangenehm wird. Der Klassiker jeder Beziehung ist wohl der Satz „Wir müssen reden. Wirklich.“ Auch bei Fragen wie „Sitzt du?“, „Ich möchte dich warnen: was ich zu sagen habe, wird dir nicht gefallen“ oder „Es gibt da etwas, das du wissen solltest“ hat ihr Gegenüber vermutlich eher düstere Fantasien über das Gespräch mit Ihnen.


Sei mir nicht böse

Einem Satz wie dem in der Überschrift folgt meistens etwas, bei dem Ihr Gegenüber garantiert wütend wird. Mit eben diesem Satz sprechen Sie Ihrem Gegenüber aber gleichzeitig auch das Recht ab, wütend zu sein. Auch damit erreichen Sie vermutlich eher, dass Ihr Gegenüber sehr wütend wird, sich das jedoch nicht zeigen traut und stattdessen passiv aggressiv beginnt zu sticheln. Ein gutes Gelingen schwieriger Gespräche erfordert jedoch eine möglichst entspannte Atmosphäre und die erreichen Sie vor allem dann, wenn Sie selbst authentisch Gefühle kommunizieren und sich diese nicht versteckt einschleichen. In diesem Sinne sollten Sie auch solche Sätze vermeiden: „Meiner bescheidenen Meinung nach“, „Nicht böse gemeint oder so…..“ oder „Bei allem Respekt“

Hey, ich bin doch nur ehrlich


Es mag verlockend erscheinen, wenn ein Konflikt bevorsteht, erstmal die Beziehung zu verstärken. Sätze wie „Ich bin die Einzige Person, die sich traut, dir ins Gesicht zu sagen, was alle hinter deinem Rücken über dich reden“ helfen da scheinbar, denn man verbündet sich mit der angesprochenen Person gegenüber anderen. Gleichzeitig aber startet Ihr Gegenüber bereits misstrauisch und gekränkt in Ihr Gespräch. Und Sie sind der Grund für diese Kränkung. Zudem geht die Beziehung zu Kolleg:innen ja auch über diese eine Situation hinaus, weshalb Ihnen diese Aussage später in Kontakt mit anderen Kolleg:innen womöglich noch mehr Konflikte bereitet. Auch das sollten Sie daher eher vermeiden.

Tipp: Machen Sie es sich nicht schwerer, als es eh schon ist

Stattdessen möchte ich Ihnen Folgendes anbieten: nehmen Sie sich einen Moment Zeit um sich in Ihr Gegenüber einzufühlen. Wie würden Sie gerne etwas Unangenehmes mit einer Kollegin besprechen? Würde eine Einführung des Themas wie „das wird dir nicht gefallen“ oder „wir müssen reden“ dazu beitragen, dass Sie offen und unvoreingenommen in die Situation gehen? Und wenn Sie schon mit dieser Erwartung ins Gespräch gehen, wäre dann nicht die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Streit daraus entwickelt recht groß? Versuchen Sie also stattdessen, eine möglichst offene und annehmende Gesprächsatmosphäre zu schaffen. Versuchen Sie, dem Gegenüber die Angst zu nehmen. Dabei können offene Fragen, Raum für Kritik, ein achtsames Miteinander und Ehrlichkeit bezüglich der eigenen Gefühle wahre Wunder wirken.

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